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Energiearmut betrifft uns alle – Energie kostet ja für alle gleich viel, oder?
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Energiearmut betrifft besonders ältere Frauen, Menschen mit Vorerkrankungen und andere benachteiligte Gruppen – weil sie durch gesellschaftliche Strukturen oft Nachteile erfahren.
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- Viele Frauen haben eine Doppelbelastung: Sie gehen arbeiten und verdienen Geld. Gleichzeitig kümmern sie sich oft um Haushalt, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige (Care-Arbeit), ohne dafür bezahlt zu werden. Weil viele Frauen in Teilzeit arbeiten oder schlechter-bezahlte Jobs haben, verdienen sie im Durchschnitt weniger Geld. Deshalb haben sie auch weniger Geld für Miete und fürs Heizen.
- Deshalb sind insbesondere Alleinerziehende stark von Energiearmut gefährdet, weil sie für alle Kosten im Haushalt und für ihre Kids allein aufkommen. In Deutschland sind 82% der Alleinerziehenden Frauen.
- Viele ältere Frauen wohnen auf großer, unrenovierter Fläche, die sie wegen niedriger Rente (Gender-Renten-Lücke) nicht ausreichend heizen oder kühlen können.
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Männer brauchen ja eigentlich mehr Energie wegen Arbeit, Geräten… |
Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wie sie Energie benutzen. Dies zeigt sich im Energieverbrauch beim Wohnen und bei der Mobilität, also Auto-, Rad- oder ÖPNV-Fahren.
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- Mobilität: Frauen sparen, Männer geben mehr aus. Dieses Verhalten hat vor allem mit gesellschaftlichen Rollenbildern zu tun. Väter sind häufiger dienstlich unterwegs, Mütter erledigen mehr Alltagswege wie Einkäufe oder Fahrdienste. Frauen nutzen öfter Bus, Bahn oder gehen zu Fuß. Männer haben zwar höhere Kosten für Mobilität, können sie sich aber leichter leisten. Alleinerziehende Mütter können sich dagegen 2,5-mal so oft kein Auto leisten wie der Durchschnitt.
- Haushalt: Wegen klassischer Rollenverteilung haben Frauen oft einen höheren Energieverbrauch beim Kochen und Waschen.
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Energiethemen haben doch nichts mit Partizipation zu tun, nicht? |
Obwohl der Bereich Energie immer wichtiger wird, sind Frauen da unterrepräsentiert – nicht nur in MINT-Studiengängen und Ausbildungsberufen, sondern auch in Energiepolitik und -wirtschaft.
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Dass es so wenig Frauen und genderdiverse Personen in der Energiebranche gibt, hat System:
- In Schulfächern, Studiengängen und Jobs, die mit Energie zu tun haben, fehlen Frauen. In MINT-Fächern (also alles mit Mathe, IT, Naturwissenschaften, Technik) sind oft weniger als 35 % Frauen. Nur in Innenarchitektur sind es satte 88,2 % (Stand 2021). Stahlbau? 2021 waren es da 2,2 % – also fast nur Männer.
- Das spiegelt sich dann auch in der Energiepolitik und -wirtschaft wider: Die wichtigen Jobs bekommen vor allem Menschen, die eine technische Ausbildung haben oder viel Fachwissen in Technik besitzen. Wer entscheidet, wie unsere Energiezukunft aussieht? Zurzeit vor allem Männer.
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Energie bleibt Energie, egal ob Kohle, Gas, oder Sonne – nicht wahr? |
Leider nicht. Zum einen tragen fossile Energien zur Erderwärmung bei, weshalb eine Energiewende für den Schutz von Klima und Umwelt notwendig ist. Zum anderen spielen Kosten für unterschiedliche Energiequellen eine Rolle: Durch die Abhängigkeit von fossilen Energien sind die Energiepreise seit 2022 stark gestiegen. Viele Wohnungen sind mit Öl- und Gasheizungen ausgestattet. Dies führt dazu, dass nicht alle Menschen ausreichend heizen können, weil sie Energie bzw. Geld sparen müssen (siehe auch das Argument zu Energiearmut weiter oben). |
- Seit Beginn des Ukrainekrieges sind die Energiepreise gestiegen, da Deutschland von Gasexporten abhängig ist. Viele Menschen wohnen in Mietverhältnissen und können zwar über Ökostrom, selten aber über die Energiequelle fürs Heizen entscheiden. Dies führt dazu, dass sie den Preisen des Energiemarktes ausgesetzt sind. Langfristig ist es kostengünstiger, wenn die Wärmeversorgung umgestellt wird und alle ökologisch heizen können.
- Wenn ihr nachlesen wollt, warum fossile Energiequellen ein Problem für unser Klima sind, schaut hier: Greenpeace (o.J.). Fossile Energien, Fossile Energien | Greenpeace.
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Ist doch egal, wer die Energieprojekte mitmacht, Hauptsache sie sind gut? |
Nicht alle profitieren von Energieprojekten. Oft denken die Menschen, die entscheiden, an ein bestimmtes Bild: ein weißer, Mann*, Mitte 40, mit Geld und vielleicht einer eigenen Solaranlage. Doch diese Perspektive vernachlässigt, dass andere Gruppen ganz andere Bedürfnisse haben – und für sie bringt die Technik oft wenig.
* Ein cis Mensch ist eine Person, die sich dem ihr bei ihrer Geburt zugeteilten Geschlecht zugehörig fühlt. |
- Warum Vielfalt bei Technologien kein Nice-to–have, sondern ein Muss ist: Wenn nur eine bestimmte Gruppe – meistens, wohlhabende Männer, die sich gut mit Technik auskennen – entscheidet, wie Technologien aussehen, werden die Lösungen oft nur für sie gemacht. Das Ergebnis? Technologien, die andere ausschließen oder im schlimmsten Fall sogar gefährden.
- Beispiel Airbag: Jahrelang wurde der Airbag nur an männlichen Körpern getestet → Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen hatten ein höheres Verletzungsrisiko. Ähnliche Einschränkungen kann es auch bei Energietechnologien geben: Smart-Energy-Apps oder E-Auto-Ladestationen werden oft für Haushalte mit eigenem Parkplatz und technischem Wissen entwickelt. Wer nicht dazugehört, bleibt auf der Strecke. Technologie muss für alle funktionieren, nicht nur für eine kleine, privilegierte Gruppe.
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Klimawandel betrifft uns alle – wir spüren ja alle die Hitze gleich. |
Nein, manche soziale Gruppen sind stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen als andere. Manche Menschen leiden mehr, zum Beispiel weil ihre Wohnung nicht genug vor Hitze geschützt ist oder weil sie an Orten mit stärkeren Wetterereignissen wohnen (Dürre, Überschwemmungen).
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- In ländlichen Regionen vieler Länder im Globalen Süden hat der Klimawandel starken Einfluss: Dürren, Fluten und Extremwetter zerstören Ernten und Lebensgrundlagen. Frauen tragen hier oft die Hauptlast – sie holen Wasser, sorgen für Energie, bauen Nahrung an und kümmern sich um ihre Familien. Gleichzeitig werden sie in vielen Gesellschaften strukturell benachteiligt und haben weniger Mitspracherecht. Wenn zum Beispiel die Ernte ausfällt oder der Boden kaputtgeht (Bodenerosionen), verlieren sie ihre Existenzgrundlage.
- Auch die Sommer in Europa werden zunehmend heißer. In Städten wie Barcelona oder auch Wien können nicht alle Menschen ihre Wohnungen ausreichend kühlen. Obdachlose sind der Hitze noch stärker ausgesetzt. Dieses Problem wird als Sommer-Energiearmut bezeichnet. Vor allem ältere Menschen, Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen leiden drunter. Siehe auch: Eder, F. (2024). Wenn Hitze für Mieter*innen unerträglich wird. In: Volkshilfe Wien, Energiearmut: Wenn Hitze für Mieter*innen unerträglich wird- Blog – Volkshilfe Wien.
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