Mehr zu Petra Kelly
Petra Kelly wuchs zwischen zwei Welten auf: 1947 im bayrischen Günzburg geboren, nach der Trennung der Eltern in den USA aufgewachsen, geprägt vom US-amerikanischen Bürgerrechts- und Antikriegsaktivismus der 1960er Jahre. Diese doppelte Perspektive erlaubte ihr zu verstehen, wie komplex internationale Beziehungen und Konflikte sind. Ihre Perspektive auf die Welt trieb sie an und machte sie zu einer unbequemen Stimme, die immer wieder klare Haltung gegen Ungerechtigkeit zeigte.
Als sie sich in den 1970er Jahren der Anti-Atomkraftbewegung anschloss, war die deutsche Politik stark männlich geprägt und es gab viel Misstrauen gegenüber Bürger:inneninitiativen ebenso wie einer Frau, die diese anführte. Kelly prägte die Verbindung von Umwelt- und Friedensbewegung, die später als “Ökopax” bezeichnet wurde. Damit verband sie auch zwei Bewegungen, die bis dahin getrennt voneinander existierten, zu einer politischen Idee.
In den 1970er- und 80er Jahren, als der Kalte Krieg die politische Landschaft prägt und die Teilung in Ost und West das Leben in Deutschland bestimmt, vertritt Petra Kelly die radikale Position der ungeteilten Abrüstung. Kelly organisierte Sitzblockaden vor Atomanlagen von US-Militärstützpunkten und brachte als eine der ersten Frauen Umweltanliegen ins Parlament und später auch in den Bundestag. Damit trug sie entscheidend dazu bei, dass Anti-Atom- und Umweltpolitik parlamentarisch verhandelbar wurde.
Der Preis dafür war hoch. Innerhalb der eigenen Partei wurde sie belächelt – weil sie mit Symbolen und Emotionen arbeitete, eine Herangehensweise, die man ihr als Frau besonders vorwarf. Öffentlich musste sie sich gegen Spott und Herabwürdigung behaupten und trotzdem trat sie immer wieder ans Podium und nahm an Demonstrationen teil, z.B. gemeinsam mit anderen Grünen-Abgeordneten auf dem Alexanderplatz für „Abrüstung in Ost und West“, wobei sie von DDR–Sicherheitskräften festgenommen wurden.
Petra Kellys Leben endete 1992 tragisch: Sie wurde von ihrem politischen Weggefährten und Lebensgefährten Gert Bastian erschossen, der sich anschließend selbst tötete. Ihr politisches Erbe zeigt sich in der Haltung, die sie vorlebte: hartnäckig gegen Widerstände anzutreten, auch wenn der Erfolg ungewiss und der Preis hoch war. Genau diese Hartnäckigkeit brauchen Bewegungen, die sich heute für eine sozial-gerechte Zukunft einsetzen.