Mehr zu Prof. Wangari Maathai
Wangari Muta Maathai (1940–2011) wuchs im kolonialen Kenia auf, in einer Zeit, in der britische Landwirtschaftspolitik gezielt traditionelle Anbaumethoden zerstörte und einheimische Wälder durch Monokulturen für den Exportmarkt ersetzte. Fruchtbare Flächen, die zuvor von lokalen Gemeinschaften vielfältig genutzt wurden, wurden zunehmend für den Anbau von Exportgütern wie Kaffee und Tee umgewandelt. Was damals als „Modernisierung” verkauft wurde, führte dazu, dass Böden auslaugten, Wasserläufe versiegten, die Artenvielfalt zurückging und viele Menschen den Zugang zu Land und natürlichen Ressourcen verloren. Ganze Gemeinschaften wurden wirtschaftlich abhängig gemacht und ihrer bisherigen Lebensgrundlagen beraubt. Diese Erfahrung prägte Maathais gesamtes späteres Denken und Handeln.
Als erste ostafrikanische Frau promovierte sie in Biologie und lehrte an der University of Nairobi. Sie erkannte, was viele in der Umweltbewegung lange ignorierten: dass Abholzung, Armut, Unterdrückung von Frauen und koloniale Ausbeutung von Ressourcen nicht aus Zufall nebeneinander existieren, sondern ein Unterdrückungssystem bilden.
1977 gründete sie das Green Belt Movement: eine Graswurzelbewegung, die Frauen im ländlichen Kenia dazu befähigte, Bäume zu pflanzen, Wasserquellen zu schützen und sich politisch zu organisieren. Bis heute wurden über 51 Millionen Bäume gepflanzt. Die Bewegung war nie nur Umweltschutz: Sie war eine Antwort auf koloniale Landenteignung, auf die Unsichtbarmachung von Frauen und auf eine Entwicklungspolitik, die Afrika weiterhin als Rohstofflieferanten behandelte.
Für diesen Widerstand bezahlte sie einen hohen Preis. Sie wurde verfolgt, inhaftiert, öffentlich diffamiert und körperlich angegriffen. Doch sie ließ sich nicht zum Schweigen bringen. 2004 erhielt sie den Friedensnobelpreis als Anerkennung dafür, dass nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden untrennbar zusammengehören.